
Originaltext von 1397
Schwörmontag ist der Tag der Ulmer.
Er fällt auf den vorletzten Montag im Juli. Das politische Ulm freut sich auf die Schwörfeier, in welcher der Oberbürgermeister Rechenschaft ablegt. Sie kennzeichnet Beginn und Ende des politischen Jahres in Ulm, nach dessen Ablauf die kommunalpolitische
Sommerpause ausbricht.
Was ist ein »Schwörmontag«? Das Wort deutet bereits an, daß es sich um
einen Montag handeln muß, an dem geschworen wird, und daß es sich dabei um
eine feste Einrichtung handelt. Doch wer schwört wem was und warum?
Es ist der Ulmer Oberbürgermeister, der alljährlich vom Balkon des
Schwörhauses aus den Ulmern zunächst berichtet, was sich in der Stadt seit
dem vergangenen Schwörmontag getan hat. Anschließend erhebt er die rechte
Hand und gelobt dem Stadtvolk, Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein
in allen gleichen, gemeinsamen und redlichen Dingen ohne allen Vorbehalt,
so wahr ihm Gott helfe«. Das ist die Schwörformel, mit der die jährliche
Schwörrede endet. Um Mißverständnisse zu vermeiden: »gemein« ist in diesem
Falle von »Gemeinschaft« und nicht von »Gemeinheit« herzuleiten, auch wenn
dies vereinzelt anders gesehen wird.
Diese Schwörformel ist mindestens sechseinhalb Jahrhunderte alt. Sie steht
bereits in der ersten Verfassung, die in Ulm alljährlich nicht nur vom
Bürgermeister, sondern auch von der Bürgerschaft beschworen und
höchstwahrscheinlich im Jahr 1345 verabschiedet wurde. Die Wendung »Reiche
und Arme« zielte weniger auf die Eigentumsverhältnisse als vielmehr auf die
gesellschaftliche Position: Sie war die amtliche Umschreibung für die
beiden wichtigsten Stände, nämlich für den Stadtadel, auch »Patrizier« oder
»Geschlechter« genannt, und für die Zünfte.
Der Bürgermeister war stets ein Patrizier. Sein Versprechen, beiden
Parteien gleichermaßen dienen zu wollen, war damals von besonderer
Bedeutung. Denn auch in Ulm kämpften die wirtschaftlichsten stärksten
Zünfte im 14. Jahrhundert um einen Anteil an der politischen Macht, der
ihrer starken wirtschaftlichen Stellung entsprach.
Wie stark die war, ist in Ulm heute noch täglich mit einem Blick zu
erfassen, nämlich mit einem Blick auf das Münster
Die Verfassung von 1345 schrieb fest , daß die Zünfte die Mehrheit im Rat
haben müssen. Der umfaßte 32 Mitglieder, davon 17 aus den Zünften und 15
aus dem Patriziat - den Bürgermeister mitgerechnet.
Im Jahre 1397 gab es eine neue Verfassung, bei dem der Rat auf 40
Mitglieder erhöht wurde, das Verhältnis der Zünfte wird 47:25 und es
entsteht der "Große Schwörbrief"
Doch diese wird von Kaiser Karl V im August 1548 jäh beendet, Er brach den
Einfluß der Zünfte und verjagte deren Mitgliedern aus dem Rat und
reduzierte den auf 32 Mitglieder. Das war das vorläufige Ende des
Schwörtages.
Zehn Jahre später gab es dann wieder einen Schwörtag, welcher der Form nach
dem alten entsprach. Doch das politische Kräfteverhältnis war umgekehrt,
die Aristokraten beherrschten den Rat. Dabei blieb es bis 1802, als Ulm den
Status der Freien Reichsstadt verlor.
Die alte Schwörformel wird 1949 wieder belebt und alljährlich vom Ulmer
Oberbürgermeister neu beeidet.
Untrennbar mit dem Schwörmontag ist das Nabada.
Juni 1997