masken masken

Begleittext zum Theaterspektakel

von Adi Hübel



Der Ulmer Schwörbrief

Ein Spektakel der Ulmer Bürger und Bürgerinnen. Aufgeführt am 21.6.97 auf den Straßen und Plätzen Ulms.

Eine Idee wird geboren und umgesetzt

Das Theater in der Westentasche hatte die Idee, zur 600-Jahr-Feier des Ulmer Schwörbriefes mit der Ulmer Bürgerschaft ein Stück auf die Beine zu stellen. Honoratioren und Einwohner aller Berufe und Parteien wurden um ihre Mitwirkung gebeten. Gesangsgruppen wie 'ton ab' und 'Armati Equites', aber auch Amateurbühnen wie das ATaK und die theaterWerkstatt Ulm beteiligten sich mit SpielerInnen, Maske und Regie.

Die Resonanz war überwältigend, schon beim ersten Treffen suchten sich die ganz Eifrigen ihre Rollen aus. Viele nahmen zunächst das Textbuch (von Sabine Gieße) mit nach Hause und entschieden sich später für „ihre" Rolle. Alle wollten einmal 'die Bretter betreten, die die Welt bedeuten'.

Bei ersten Proben wurde der Text durchgesprochen, Beziehungen geklärt, Charaktere herausgearbeitet und los gings mit dem Textlernen. Allerdings ging noch manche Probe mit dem Zettel in der Hand vor sich und erst ganz zum Schluß, bei der Generalprobe in strömendem Regen mußte der Text wohl oder übel klappen.

In den folgenden drei Monaten hatten die sieben RegisseurInnen, die OrganisatorInnen, der technische Stab und alle anderen MitarbeiterInnen aber vor allem auch die SchauspielerInnen alle Hände voll zu tun. Neben den Proben mußten das Bühnenbild und die Requisiten -wie Körbe voller Gemüse, viele Brotlaibe, Marktstände, alte Kessel, Weinkrüge, alte Stühle usw. und die Kostüme besorgt werden. Das Plakat wurde flächendeckend verteilt, Prsse, Funk und Fernsehen meldeten sich an und da das alles Geld kostet, wurde (leider erfolglos) auch einmal bei der Stadtspitze angeklopft. Erfreulich ist, daß doch einige Sponsoren in die Tasche griffen und da alle Mitwirkende unentgeltlich tätig waren, gelang trotzdem vieles.

Am 21. Juni 1997 war dann die Spannung weniger auf den eigenen Auftritt, als auf die Frage nach den drohenden Regenschauern gerichtet. Wir waren uns alle einig: gespielt wird! Da schleppte dann Helmut Goller viele wunderbare große Schirme an. Da wurde dann trotz Nässe die Bühne hergerichtet und langsam stieg die kreative Spannung und die Nervosität. Würde alles gelingen, würden die ZuschauerInnen trotz Regens kommen?

Gegen 17.30 Uhr war der GRÜNE HOF voller Menschen. Das Spiel lief ohne Pannen - lustvoll, ausdrucksstark und mit viel Tempo vermittelten die Spielerinnen und Spieler die spannende Geschichte der Entstehung des Schwörbriefes. Auch an den anderen Schauplätzen der Geschichte: Herdbruckerstraße, Rathausplatz, Kronengasse, Weinhof und Mohrengasse liefen die Szenen je nach Publikumsinteresse und Regenmassen unterschiedlich oft.

Die Geschichte des Schwörbriefes - im Stück festgehalten

Der Kesselflicker Ede kommt etwa um 1345 von weit her nach Ulm und weiß wichtige Neuigkeiten zu berichten. In Italien hat ein Mitglied der Zünfte auf Kaiser Heinrich VII. einen Mordanschlag verübt. Auch in Ulm streiten die Patrizier und die Zünfte um die Vorherrschaft. Auf dem Markt machen sich einige Marktfrauen über eine der ihren lustig, die noch an Hexen glaubt. Lena, eine Patriziertochter, und Hans, ein Zünftler, möchten endlich heiraten. Sie wissen nicht, wie sie das Jawort von Lenas Vater bekommen sollen. Ein Narr treibt sich herum und weiß alles besser. Einige der Ulmer Patrizier beschließen, die aufmüpfigen Zunftmeister zu ermorden. Als der Mord entdeckt wird, nehmen die Zunftmeister und BürgerInnen grausame Rache. Lena, die zunächst glaubt, ihr Verlobter Hans sei tot, wird von dem Narren eines besseren belehrt. Ihrer beider Plan gelingt, und Lena bekommt ihren Hans.

1377 wird der Grundstein zum Ulmer Münster gelegt. Wird es dem armen Volk etwas bringen? Ein Bauer versucht, den Tod zur Entschädigung für seine verstorbene Frau zu bewegen, doch auch er findet, wie der Schauspieler der von einem Patrizier bestohlen wurde, keine Gerechtigkeit.Über die Jahrhunderte bleibt der Schwörbrief mit den Geschicken der Stadt Ulm verbunden, bis 1548 ein Herold verkündet, daß Kaiser Karl V. die Stadtregierung abschaffen wird.

1933 nutzen die Nationalsozialisten die Schwörfeier für ihre Zwecke, doch nicht alle sind für den "starken Führer", aber die Jugend ist leicht zu beeinflussen. 1949 beschließen dann die UlmerInnen, das im Krieg zerstörte Schwörhaus wieder aufzubauen.

Mitwirkende

Über 200 Mitwirkende (Handwerker, LehrerInnen, VerkäuferInnen, Kulturbürgermeister, Amtsleiter, GemeinderätInnen, Krankenschwestern, Rechtsanwälte, Bundestagsabgeordnete) auf der Bühne, in der Organisation und im Ablauf.
Autorin:
Sabine Gieße
Produktionsleitung:
Thomas Dentler
Regie:
Adi Hübel, Leiterin der theaterWerkstatt Ulm (bis 1345), Christiane Dentler (bis 1397), Michaela Kampka (bis 1548), Heike Gruber (bis 1707), Karl-Heinz Schneider (1869), Sabine Gieße (1933), Sarah Baumann (1949).
Technische Leitung:
Uwe Schweigert.
Organisation:
Torsten Pachale, Elfie Haas, Margarete Wimmer.
Maske:
Dietlinde Sehl, Uschi Fuchs-Walter.
Kostüme:
Stadttheater Ulm und Westentaschenfundus.
Technik:
Nik Schölzel.
Pressedienst:
Hardy Evans, IG Medien.

Neuer Termin

Weil es so regnerisch war und viele das Stück nicht sehen konnten und weil es so viel Spaß gemacht hat, wird es wiederholt und zwar im Trockenen:

am Samstag, 26. Juli 1997 um 16.00 Uhr im Kornhaus Ulm

Vorverkauf bei den bekannten Vorverkaufsstellen.


 Bürgernetz  Zurück
© Bürgernetz Ulm/Neu-Ulm
Juni 1997