Die Resonanz war überwältigend, schon beim ersten Treffen suchten sich die ganz Eifrigen ihre Rollen aus. Viele nahmen zunächst das Textbuch (von Sabine Gieße) mit nach Hause und entschieden sich später für „ihre" Rolle. Alle wollten einmal 'die Bretter betreten, die die Welt bedeuten'.
Bei ersten Proben wurde der Text durchgesprochen, Beziehungen geklärt, Charaktere herausgearbeitet und los gings mit dem Textlernen. Allerdings ging noch manche Probe mit dem Zettel in der Hand vor sich und erst ganz zum Schluß, bei der Generalprobe in strömendem Regen mußte der Text wohl oder übel klappen.
In den folgenden drei Monaten hatten die sieben RegisseurInnen, die OrganisatorInnen, der technische Stab und alle anderen MitarbeiterInnen aber vor allem auch die SchauspielerInnen alle Hände voll zu tun. Neben den Proben mußten das Bühnenbild und die Requisiten -wie Körbe voller Gemüse, viele Brotlaibe, Marktstände, alte Kessel, Weinkrüge, alte Stühle usw. und die Kostüme besorgt werden. Das Plakat wurde flächendeckend verteilt, Prsse, Funk und Fernsehen meldeten sich an und da das alles Geld kostet, wurde (leider erfolglos) auch einmal bei der Stadtspitze angeklopft. Erfreulich ist, daß doch einige Sponsoren in die Tasche griffen und da alle Mitwirkende unentgeltlich tätig waren, gelang trotzdem vieles.
Am 21. Juni 1997 war dann die Spannung weniger auf den eigenen Auftritt, als auf die Frage nach den drohenden Regenschauern gerichtet. Wir waren uns alle einig: gespielt wird! Da schleppte dann Helmut Goller viele wunderbare große Schirme an. Da wurde dann trotz Nässe die Bühne hergerichtet und langsam stieg die kreative Spannung und die Nervosität. Würde alles gelingen, würden die ZuschauerInnen trotz Regens kommen?
Gegen 17.30 Uhr war der GRÜNE HOF voller Menschen. Das Spiel lief ohne Pannen - lustvoll, ausdrucksstark und mit viel Tempo vermittelten die Spielerinnen und Spieler die spannende Geschichte der Entstehung des Schwörbriefes. Auch an den anderen Schauplätzen der Geschichte: Herdbruckerstraße, Rathausplatz, Kronengasse, Weinhof und Mohrengasse liefen die Szenen je nach Publikumsinteresse und Regenmassen unterschiedlich oft.
1377 wird der Grundstein zum Ulmer Münster gelegt. Wird es dem armen Volk etwas bringen? Ein Bauer versucht, den Tod zur Entschädigung für seine verstorbene Frau zu bewegen, doch auch er findet, wie der Schauspieler der von einem Patrizier bestohlen wurde, keine Gerechtigkeit.Über die Jahrhunderte bleibt der Schwörbrief mit den Geschicken der Stadt Ulm verbunden, bis 1548 ein Herold verkündet, daß Kaiser Karl V. die Stadtregierung abschaffen wird.
1933 nutzen die Nationalsozialisten die Schwörfeier für ihre Zwecke, doch nicht alle sind für den "starken Führer", aber die Jugend ist leicht zu beeinflussen. 1949 beschließen dann die UlmerInnen, das im Krieg zerstörte Schwörhaus wieder aufzubauen.
am Samstag, 26. Juli 1997 um 16.00 Uhr im Kornhaus Ulm
Vorverkauf bei den bekannten Vorverkaufsstellen.