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Wissenswertes zum Fischerstechen



Aus Anlaß der 600Jahr-Feier für die Unterzeichnung des Großen Schwörbriefes findet diesmal, anders als sonst üblich alle vier Jahre, das Fischerstechen schon nach drei Jahren statt.

Der 13. Juli und der 20. Juli sind die Termine für das diesjährige Fischerstechen auf der Donau. Hier bleibt die Tradition, nach der die Stechen an den beiden Sonntagen vor dem Schwörmontag stattfinden sollen, erhalten. 1545 erstmals in Ratsprotokollen erwähnt finden seit 1739 Fischerstechen in Ulm statt, deren Regelmäßigkeit durch Kriege, Reformation und sonst unruhige Zeiten immer wieder beeinträchtigt waren. Dabei ist dieser Brauch wahrscheinlich nicht in Ulm entstanden. Er war im ganzen süddeutschen Raum bekannt, aber die liebevolle Pflege der Traditionen haben gerade das Ulmer Fischerstechen überdauern und über die Landesgrenzen hinaus bekannt werden lassen. Dies ist auch deshalb bemerkenswert als mit der nachlassenden Bedeutung der Fischerzunft die Schifferzunft und später der Schifferverein diesen Brauch weiter pflegten.

Waren die Ulmer Fischer in früheren Jahrhunderten immer bemüht gewesen, ihr Fischerstechen gewissermaßen als Frühlingsfest erst zu Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch und später dann zur Kirchweih zu veranstalten waren es die Stadtoberen, die immer wieder den Versuch unternahmen, die „Verwilligung" (Genehmigung) möglichst weit in den Sommer hinein zu verlegen. So fanden Fischerstechen auch schon an Schwördienstagen statt. Die heutige Terminplanung ist dann sicher mit dem „Verein für den Fremdenverkehr Ulm/Neu-Ulm" entstanden. Doch nicht erst heute geht es bei solchen Veranstaltungen um’s Geld, das war beim Ulmer Fischerstechen schon immer so. Vor dem eigentlichen Stechen versammeln sich die Teilnehmer sowie die vermeintlichen Nachfahren der Fischer- und Schifferzunft zu einem sehenswerten Festzug. Dieser Umzug war schon von Beginn an fester Bestandteil des Fischerstechens. Den ausrichtenden Zünften war es erlaubt, verkleidet durch die Stadt zu ziehen und dort zu sammeln. Davon wurde reichlich Gebrauch gemacht, wobei auch überliefert ist, daß sich Fürsten, Feldherren und andere hohe Herren dabei nicht lumpen ließen. Heute erfüllen Eintrittsgelder den gleichen Zweck.

Der Personenkreis welcher am Stechen teilnehmen darf wird streng nach überlieferten Regeln ausgewählt. Die sogenannten „Weißfischer", Fischer in weißer Tracht, bilden die Kernmannschaft. Hinzu kommen verschiedene Figurenpaare, die alle in der wechselnden Geschichte Ulms eine bedeutende Rolle gespielt haben. Zu nennen sind hier unter Anderen die Schalksnaren in schwarzweiß und schwarzgelb, der Bauer und die Bäuerin, der Ulmer Schneider und der Ulmer Spatz, Tell und Geißler, ein Bauer aus dem Oberland und einer aus dem Unterland, Faust und Mephisto, Wallenstein und Graf Adolf und um dem aktuellen Zeitgeschehen entsprechen zu können auch ein Überraschungspaar. 24 Paare Weißfischer und Fischermädchen bilden die große Tanzgruppe und natürlich die Schiffleute, die hier in Ulm Zillenfahrer heißen. Die Schiffleute sind ebenfalls weiß gekleidet. Sie unterscheiden sich aber durch lange Hosen und grüne Hosenträger von den Weißfischern, zudem führen sie ihre Ruder mit. Musik ganz besonderer Art, dominiert von dumpfem Trommelschlag der Tambours, begleitet nicht nur diesen Zug sondern auch das Fischerstechen am Nachmittag. Alle gespielten Märsche sind wohl mittelalterlichen Ursprungs, nur der Tanz der Narren und Bauern wurde erst 1950 um den Fischertanz, das Menuett, ergänzt.

Am Donauufer angekommen wird der Zug natürlich mit lauter Musik empfangen. Die Zillen sind auf beiden Ufern vorbereitet, so daß die Mannschaften gleich Platz nehmen können. 18 Paare kämpfen gegeneinander, jeweils in Gruppen zu 3 Zillen zusammengefaßt. Also Bauer gegen Bäuerin, Weißfischer gegen Weißfischer, Faust gegen Mephisto und so weiter. Die Hauptfiguren stehen auf einer kleinen Plattform innerhalb des Bootes und sind mit einer Art Speer ausgerüstet, dessen Spitze mit einer gepolsterten Holzscheibe versehen ist. Vom jeweils anderen Ufer kommend fahren die Zillen, begleitet von der Musik, aufeinander zu. Es gilt nun mit Hilfe des Speers den Gegner von dessen Plattform ins Wasser zu stoßen. Kraft und Geschick der Schiffleute sind mitentscheidend über Sieg oder Niederlage. Auch wer nicht ins Wasser sondern nur ins Boot fällt hat schon verloren.

Zu Beginn werden zwei Durchgänge mit den gleichen Paaren ausgetragen. Erst danach wird über Sieger und Verlierer entschieden. In weiteren Durchgängen kämpfen die jeweiligen Sieger gegeneinander, diesmal jedoch in nur einem Durchgang, bis letztlich der Gewinner übrig bleibt.

In neuerer Zeit treffen dann am zweiten Sonntag die beiden Tagessieger aufeinander um den Gesamtsieger zu ermitteln.

Ursprung und Entwicklung des Stechens


© Bürgernetz Ulm/Neu-Ulm
Juni 1997